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Mittwoch, den 09. Juni 2010 um 18:58 Uhr

Eine Informationsschrift für Familien, engagierte Bürger, Mehrfamilienhauseigentümer,

Eigentümergemeinschaften, Hausverwaltungen und Mitarbeiter von Kommunen


10. Darf das Ballspielen verboten werden?


Ballspiele sind für Kinder auf der ganzen Welt überaus attraktiv! Darüber hinaus steigern Ballspiele die

motorische Geschicklichkeit, das Reaktionsvermögen, die Muskulatur, die Ausdauer und die

Konzentrationsfähigkeit der Kinder – abgesehen von den sozialen Kompetenzen.

Für Anwohner aber bedeuten ballspielende Kinder ein mögliches Herüberfliegen der Bälle auf

Nachbargrundstücke, hinterhersteigender Kinder, laut rufende Kinder, ein „zertrampelter“ Rasen,

Aufprallgeräusche sowie tatsächliche oder zu befürchtende Sachbeschädigungen. Die letzteren beiden

Punkte sind mit Softbällen weitgehend auszuschließen, weshalb naheliegt, dass Ballspielen mit Softball

per Gericht kaum verboten werden würde - sofern das Spielen bzw. Ballspielen auf der betreffenden

Fläche nicht per Mietvertrag (die Hausordnung gehört dazu) nicht verboten ist.


Auch gegen Fußballspielen auf Spielplätzen (es gilt dessen Größe und Grenze überhaupt zu erfassen!!)

könnenangrenzende Mieter in der Regel nicht vorgehen (z.B. durch Unterlassungsklage gg. die Eltern).

Wenn die Grünflächen oder der Innenhof zwar baurechtlich kein Spielplatz sind, vertragsmäßig aber

zur Mietsache gehören und das Spielen bzw. Ballspielen nicht ausdrücklich untersagt ist, gibt es für

ein Spielverbot auch hier keine Rechtsgrundlage. Denn Kinder, auch ältere, haben das Recht, in der

Nähe ihrer Wohnung zu spielen. Das Bayerische Oberlandesgericht konstatierte: „Die Bezeichnung

einer Fläche in der Teilungserklärung als ‚Garagenhof’ schließt seine Nutzung als Spielplatz

für Kinder nicht aus.“

Das Landgericht Berlin stellte klar: „Kinder dürfen in Hinterhöfen spielen, auch wenn es die

Nachbarn stört. Die gefährliche Entwicklung des Straßenverkehrs zwingt Hausbesitzer dazu,

verwaiste Innenhöfe für Kinderspiele freizugeben. Die Nachbarschaft muss damit verbundene

unvermeidliche Lärmbelästigungen hinnehmen.“ (AZ.: 61 S 288/1985) Wenn es in der Wohnungsnähe

keinen Spielplatz gibt, können sie auch auf den Garagenhof ausweichen. Der dadurch entstehende

Lärm ist nach einem Urteil des Landgerichts München den Nachbarn zumutbar (Az. 1 T 14129/88).


Das Fußballspiel auf einem Rasen mit Spielverbot ist aufgrund dessen Abnutzung im Ernstfall weniger

durchsetzbar. Z.B. hat das Amtsgerichts Frankfurt in einem Urteil lärmende, Fußball spielende Kinder

auf einer Grünfläche zwischen zwei Wohnblöcken als Grund für Mietminderung akzeptiert. Der Mieter

durfte die Miete um fünf Prozent reduzieren (AG Frankfurt, Az. 33 C 1726704-13).


Dabei handelt es sich jeweils um Einzelfallentscheidungen, es ist jedoch davon auszugehen, dass bei

Gebäuden, bei denen der hausnahe Spielplatz zwischenzeitlich fehlt oder dessen Ausstattung sehr zu

wünschen übrig lässt, zugunsten der Kinder und Familien entschieden wird.

Auch ansonsten scheint ein Bewusstseinswandel bei Richtern stattzufinden. Die Anzahl an

übergewichtigen, motorisch und geistig unbeweglichen, psychisch erkrankten Kinder

belasten die Sozialkassen  inzwischen unübersehbar.


Die in der Hausordnung vorgegebenen Mittagsruhezeiten müssen allerdings auch auf Spielplätzen,

Innenhöfen usw. eingehalten werden, wenn Wohnungen in der Nähe sind. Dies ist einer Entscheidung

des Verwaltungsgerichts Münster zu entlehnen (Az. 1 K 2229/79).

Anders entschied das Verwaltungsgericht Braunschweig bei Kindern bis zu zwölf Jahren: Auf

Spielplätzen in reinen Wohngebieten dürfen sie in der Regel auch in der Mittagszeit lautstark spielen

(Verwaltungsgericht Braunschweig, Az. 9 A 9014/91).